
Trafostationen Wien
Wien (2025)
Offener, einstufiger Designwettbewerb
Design von Trafostationen im öffentlichen Raum
Ausloberin: WIENER NETZE GmbH
Nutzung: Trafostationen
Team: Jonas Höltke, Studio Yannick Meuter

I. ORDNUNG

II. EXPLIZIERUNG

III. RHYTHMUS

IV. OBJEKT

V. AKTEUR

VI. ZWILLING

THEMA
Trafostationen besitzen keine typischen Orte, da sie überall und in unterschiedlichsten Kontexten benötigt und errichtet werden. Sie erheben keinen gestalterischen Anspruch, ihre Form und Erscheinung ergeben sich unmittelbar aus funktionalen und technischen Anforderungen. Damit sind sie der Inbegriff autonomer, kontextloser Architektur und zugleich ein allgegenwärtiger Bestandteil unserer gebauten Umwelt. Aufgrund unserer Sehgewohnheiten sowie ihrer unauffälligen Gestalt und Lage bleiben sie trotz ihrer großen Zahl weitgehend unbeachtet. Durch ihre Wiederholung und Vorhersehbarkeit erscheinen sie banal und entziehen sich dauerhaft unserer Aufmerksamkeit.
KONZEPT
Die Planung von Trafostationen für eine gesamte Stadt erfordert eine klare Haltung zu den beschriebenen Themen eine bewusste Positionierung im Umgang mit Alltäglichkeit und Infrastruktur. Der Versuch, jedem einzelnen Standort durch die Entwicklung unterschiedlicher Typologien gerecht zu werden, wird bewusst nicht verfolgt, da die dafür notwendige Vielfalt kaum vollständig vorstellbar wäre und die Gefahr einer vereinfachenden Typisierung bestünde. Stattdessen setzt sich der Entwurf gezielt mit dem Banalen und dem Kontextlosen auseinander und macht diese Qualitäten selbst zum Gegenstand der Gestaltung. Er bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Tarnung und Täuschung, zwischen Anpassung und bewusster Irritation. Durch die Anbringung spiegelnder Oberflächen an allen sichtbaren Seiten des Trafohauses wird der unmittelbare Kontext reflektiert und eine Irritation erzeugt, deren Wirkung aus der Täuschung unserer Wahrnehmung resultiert. Das Vertraute erscheint fremd und wird dadurch erneut wahrnehmbar. Die selbstverständliche Ordnung unserer Realität gerät ins Wanken und wird für einen Moment infrage gestellt. Die Spiegelung erzeugt eine visuelle Fehlstelle und führt zur Überlagerung unterschiedlicher Kontexte. Auf diese Weise entsteht trotz des prototypischen Ansatzes ein spezifischer Ortsbezug. Die möglichen Erscheinungen reichen von nahezu vollständiger Anpassung und Unsichtbarkeit bis hin zu surrealen Verzerrungen der Umgebung. Das Banale wird poetisch überhöht und gewinnt so Aufmerksamkeit. Einige dieser Effekte werden in den Collagen sichtbar gemacht.
ENTWURF
Die Konstruktion folgt einem einfachen und klaren Prinzip. Der Rohbau des Trafohauses wird einschließlich aller Einbauten vorgefertigt und vollständig im Werk montiert. Vorort wird er durch eine neue Hülle aus spiegelpoliertem Edelstahl, die über Konsolen am Rohbau befestigt ist, ergänzt. Rohbau und Konsolen sind schwarz ausgeführt, sodass sie visuell in den Hintergrund treten und das Fugenbild der Spiegelflächen betont wird. Die Konstruktion orientiert sich an den Rohbauten bestehender Trafostationen dieser Typen und ermöglicht sowohl eine schnelle und wirtschaftliche Realisierung neuer Anlagen als auch eine unkomplizierte Nachrüstung bestehender Anlagen.

