Alter Schlachthof Fürstenfeldbruck

Fürstenfeldbruck (2026)

Realisierungswettbewerb mit Ideenteil

Sanierung des ehemaligen Schlachthofes Auf der Lände in Fürstenfeldbruck

Ausloberin: Große Kreisstadt Fürstenfeldbruck
Nutzung: Kreativquartier (Kulturforum, Veranstaltung, Atelier, Werkstätten, Café, Wohnen)


Team: Sunder-Plassmann Architekten Stadtplaner BDA, die-grille Landschaftsarchitekten PartG mbB, Jonas Höltke, Studio Yannick Meuter

WEITERBAUEN STATT ÜBERSCHREIBEN
Der Entwurf für den Alten Schlachthof Fürstenfeldbruck versteht den Bestand als gewachsene, vielschichtige Struktur und nicht als zu überformendes Objekt. Ausgangspunkt ist eine präzise Auseinandersetzung mit den vorhandenen räumlichen, konstruktiven und atmosphärischen Qualitäten. Historische Spuren, die konstruktive Logik und die ursprünglichen funktionalen Zusammenhänge werden erhalten, sichtbar gemacht und behutsam weiterentwickelt.
Das Areal ist durch eine klare ost-westliche Linearität und eine Abfolge unterschiedlich gefasster Höfe und Freiräume geprägt. Diese vorhandene Ordnung wird gestärkt, ohne die heterogene Geschichte des Ortes zu vereinheitlichen. Neue Eingriffe verstehen sich als präzise gesetzte Ergänzungen, die den Bestand lesbarer machen und zugleich neue Nutzungen ermöglichen.

EIN QUARTIER ZWISCHEN BESTAND UND ZUKUNFT
An den Rändern des Areals werden zwei neue räumliche Akzente gesetzt. Im Osten führen eine neue Gebäudezeile und ein Turm die lineare Struktur des Bestands fort. Der Turm bildet einen markanten Abschluss und stellt zugleich einen visuellen Bezug über die Amper zur Aumühle her.
Im Westen fasst eine temporäre Dachstruktur gemeinsam mit neu gesetzten Baumgruppen den Festplatz. Die offene Konstruktion bleibt durchlässig und schafft einen niederschwelligen Zugang zum neuen Quartier. Kunstobjekte und flexible Nutzungen laden zur Aneignung und Teilhabe ein.

RÄUME FÜR BEGEGNUNG UND KREATIVITÄT
Das Freiraumkonzept entwickelt eine Sequenz unterschiedlicher Hofräume. Festplatz, Kreativhof und Musikhof bilden drei unterschiedlich dimensionierte Orte mit jeweils eigener Atmosphäre und Nutzung.
Der Festplatz kann im Alltag als multifunktionale Fläche genutzt werden und wird bei Veranstaltungen zur großzügigen Veranstaltungsfläche. Der Kreativhof bildet ein offenes Experimentierfeld für Künstler, Werkstätten und Initiativen. Der Musikhof schafft als kleinerer, intimerer Hof Raum für Konzerte, Lesungen, Open-Air-Kino und weitere kulturelle Formate.
Baumdächer, differenzierte Beläge und leitende Wege strukturieren die Freiräume und schaffen ein Wechselspiel aus Fassung und Durchlässigkeit. Naturnahe Sickerzonen am Ufer verbessern das Regenwassermanagement und schaffen gleichzeitig ökologisch wertvolle Bereiche. Historische Baurelikte werden als Reliktspuren in den Freiraum integriert und erhalten dadurch eine neue, sichtbare Bedeutung.

ARCHITEKTUR DES WEITERBAUENS
Die architektonische Strategie basiert auf dem Lesen und Explizieren des Vorgefundenen. Das bestehende Zusammenspiel aus Rhythmus, freier Komposition und unterschiedlichen Raumgrößen wird aufgenommen und weitergeführt. Kleinteilige Räume nehmen kleinere Nutzungen auf, während die großzügigen Hallen für größere Programme erhalten und aktiviert werden.
Im Dachgeschoss des ehemaligen Kühlhauses werden Teile der Mauern über den früheren Kühlräumen entfernt. Dadurch öffnet sich der Raum und die komplexe Dachkonstruktion wird sichtbar. Neue Ebenen für offene Ateliers schreiben sich in die bestehende räumliche Topografie ein. Gezielt gesetzte Dachflächenfenster erzeugen ein differenziertes Spiel aus Licht und Schatten.
Auch im ehemaligen Schlachthaus und in der Brühhalle wird die vorhandene Struktur zum Ausgangspunkt für neue Einbauten. Horizontale Stahlträger sowie wiederverwendete und neue Wellblechelemente greifen die Materialität und Ordnung der historischen Kranbahn auf. Bestehende Fenster, Türen und Schiebetore werden weitgehend erhalten und restauriert.

NEU UND ALT ALS EINHEIT
Die neuen Ergänzungen bleiben als zeitgenössische Eingriffe ablesbar, knüpfen jedoch unmittelbar an die Rhythmik und konstruktive Logik des Bestands an. Der Erweiterungsbau im Osten wird in Holzbauweise ausgeführt. Technische Installationen werden möglichst selbstverständlich in die vorhandene Struktur integriert, während energetische Maßnahmen mit dem Ziel erfolgen, die äußere Erscheinung des historischen Ensembles weitgehend zu bewahren.
Ein einheitlicher roter Bodenbelag verbindet die unterschiedlichen Räume und wirkt als ruhiges, verbindendes Element innerhalb der heterogenen Bestandsstruktur. Historische Fliesen und andere vorhandene Bauteile bleiben dabei soweit wie möglich erhalten.

REUSE ALS ENTWURFSPRINZIP
Besonders deutlich wird der Gedanke des Weiterbauens bei der temporären Dachstruktur im Westen. Bauteile des ehemaligen Bauhofs werden demontiert und zu einer neuen Überdachung transformiert. Die Konstruktion steht auf rückbaubaren Schraubfundamenten und kann damit ohne dauerhafte Eingriffe in den Boden wieder entfernt werden. Neue Verbindungselemente werden als zeitgenössische Ergänzungen sichtbar gemacht.
Der Entwurf versteht den Alten Schlachthof damit als lebendiges Quartier zwischen Erinnerung und Transformation. Nicht die Erneuerung des Ortes steht im Mittelpunkt, sondern seine Weiterentwicklung aus dem Vorgefundenen heraus. Bestand, neue Architektur, Freiraum und temporäre Interventionen verbinden sich zu einer offenen Struktur, die die Geschichte des Ortes bewahrt und gleichzeitig Raum für neue Formen von Kultur, Arbeit, Wohnen und Begegnung schafft.